Triathlon

SV Hellas 1923 (1910) e. V. Siegburg

Bericht Challenge Roth 8.7.2012

Samstag 28. Juli 2012 von norbert

Bericht von Stefan. Vorab die Kurzfassung 😉

  • – Supernette Leute, supertolle Helfer, wahnsinnige Stimmung
  • – Schwimmen leichter als gedacht
  • – Radfahren schwerer als gedacht, da sehr windig, Solarer Berg DAS Erlebnis
  • – Laufen, von der Zeit besser als erwartet, aber die größte Quälerei ever!
  • – Ziel….JAAAAA
  • – Unsere 3 Begleiter SUPERGUT, DAAAAANKE!
  • – Marta und Herbert …immer da wo´s weh tut, Euch vielen Dank für die Unterstützung
Nachdem wir das Jahr 2012 mit vielen langen und intensiven Trainingseinheiten mit dem Ziel Langdistanz bei der Challenge Roth verbracht hatten, wollten wir uns am 08.07.2012 die Belohnung abholen und echte „Eisenmänner“ (Originaltext Bernd) werden.
Ich bin schon Freitags angereist um Startunterlagen abzuholen und schon mal die Lage und die Gegebenheiten zu sondieren. Erster Eindruck, Wahnsinn was aus dem doch recht verschlafenen Ort, den wir aus unserem Kurztrainingslager im Mai kannten, geworden ist!!! Hier und im gesamten Landkreis wird NUR noch Triathlon gelebt! Es ist eine riesige Triathlongemeinde mit ca. 5.000 Startern. Die Nudelparty am Freitag Abend macht das noch mal so richtig bewusst.
Samstag dann in Ruhe über die wirklich große Triathlonmesse, die mir als Radfreak natürlich die Augen überquellen ließ, dann eine kurze Orientierung per Radl in der Startzone und Nachmittags kommen dann auch Patrick, mit meinen beiden Frauen (Sandra und unsere jüngste) und Frank an. Mit Patrick geht’s zum Rad-check-in und Roth-Athmosphäre am Start schnuppern…die Spannung steigt. Abends noch gemeinsames Essen mit atypischem Schnitzel/Cordon-Bleu und dann letzte Lagebesprechung und ab ins Bett!
SONNTAG um 4:30 klingelt der Wecker nach einer doch ziemlich schlafarmen Nacht, in der noch mal alle Möglichkeiten und Unmöglichkeiten die während so einer Langdistanz passieren können durch den Kopf gingen. Frank fährt mit uns zum Schwimmstart, denn auch er möchte das Roth-Feeling schon mal im Vorgriff auf die nächsten Jahre mitbekommen.
Auf dem Weg zum Start ist die Hölle los, kein Wunder bei ca. 3.300 Einzel- und 600 Staffelstartern nebst reichlich Zuschauern. In der Wechselzone 1 das Übliche, Rad checken, 100x aufs Klo, nervös sein….und plötzlich wird die Startgruppe von Patrick und mir aufgerufen, noch 5 Minuten…wir sind zu spät dran, nach 1,5 Stunden Wartezeit…wie blöd ist DAS denn!!! Im Renntempo den Neo an, Zielbeutel abgeben, zum Start, fast vergessen den Neo zu schließen…Patrick hat aufgepasst…ins Wasser (schön warm) zum Start schwimmen…und schon Startschuss…keine Zeit mehr zum denken…das Rennen beginnt!!!
Ich bin verwundert wie es hier trotz reichlich Platz rund geht…Arme und Beine überall wo Sie an meinem Körper nicht hingehören…das vorgenommene lockere gleichmäßige Schwimmen ist erst mal auf Seite geschoben, Zweierzug und DURCHSETZEN. Irgendwann kommt dann doch der Rhythmus…und der erste Wendepunkt nach ca. 1460m kommt überraschend schnell. Nach der Wende sieht man schon bald die Brücke in Nähe des Ziels die von Zuschauern überquillt. Auch die Ufer sind satt besetzt! Aber die Brücke kommt nicht so richtig näher…schwimmen ist halt langsam (zumindest bei mir)…aber dann ist doch irgendwann die zweite Wendeboje und eine lange Gerade von fast 2km geschafft und die letzen gut 400m zum Ziel kommen mir schon fast kurz vor.
Raus aus dem Wasser, Beutel wird netter Weise von den Helfern schon geholt und ab ins Zelt. In aller Ruhe, wie vorher geplant, die Radsachen anziehen, Trikot mit reichlich Verpflegung in den Taschen drüber…und ab zum Radl…raus aus der Wechselzone und los geht’s auf 180km.
Anfangs läufts super, geht ja auch tendentiell abwärts ; )   Bald merke ich aber schon, dass sehr starker Wind herrscht…eigentlich schon Sturm,der das Leben auf der Strecke für ALLE schwer macht. Die schöne Tempostrecke nach Greding, normal mit ca. 35-40km/h ohne Problem, fahre ich bei 25-30 und muss dafür richtig arbeiten, puuhhh! Dann in Greding der Kalvarienberg, 10% , ich sehe Marta und Herbert…das pusht…und den Berg auf dem großen Blatt hoch…die Strecke ist jetzt wellig mal mit Rücken-, mal mit Gegenwind. Dann kommt irgendwann Hilpoltstein…schon am ersten kleinen Anstieg vor dem Ortseingang ist Party..runter in den Ort, Rechtskurve….und der Solarer Berg „steht“ im wahrsten Sinne des Wortes vor mir! Tausende Menschen die jubeln, schreien, La Ola, und, und , und…man fährt auf eine Menschenwand zu, die sich kurz vor mir teilt und den Berg hochpeitscht (ich hab jetzt noch Gänsehaut beim schreiben) UNFASSBAR! Ich denk mir nur, „schon allein dafür hat sich all das Training gelohnt!“
Bald kommt dann die zweite 90er Runde, Sandra, Alina und Frank erwarten mich zum „Flaschenwechsel in Eckersmühlen, Foto, Kussi und ab die Post! Ich hab leider echte Probleme mit der Nahrung. Mein penibler Plan mit jedem Riegel und Gel und Isogetränk wird über den Haufen geworfen, weil ich nach ca. 4 Std. Rad keinen Riegel mehr zu mir nehmen kann…mir wird übel! Auch trinken nur noch in kleinen Schlückchen, sonst meldet sich der Magen nachdrücklich…der Wind ist Richtung Greding abgeflaut, dafür steht er jetzt in den „Wellen“….so langsam schwindet die Kraft und ich mache mir erste Gedanken darüber, wie ich noch einen Marathon laufen soll. Auch Marta und Herbert sind treu am Kalvarienberg, und feuern an, aber jetzt kleines Blatt ; )  Der Solarer ist auch beim zweiten Mal ein Highlight, aber das Streckenende naht…und der Marathon „droht“.
Wechselzone, Rad wird abgenommen, neuer Beutel gereicht, aufbauende Worte von den Helfern die an alles denken (Man wird sogar mit Sonnenschutz eingerieben)…Laufklamotten an…raus aus dem Zelt…da ist Frank, unterstützt mich mit ein paar lieben Worten, reicht mir meine Flasche…ich überlege wie ich es angehen soll…gehe erst mal ein Stück durch die Wechselzone und nehme dann die ersten Laufschritte auf….es läuft! Und da sind auch Sandra und Alina und jubeln mir zu…da muss man ja weiter : )))
Die Strecke führt zuerst ein Stück abwärts, was ungemein hilft, und ich komme in meinen Trott. Nach ca. 5-6 km komme ich auf den Damm des Main-Donau-Kanals, der mich jetzt den größten Teil des Marathons begleiten wird. Es ist eine Wendepunktstrecke mit 2 Wendepunkten, und man hat ständig „Gegenverkehr“ von anderen Läufern…was sich später noch als vorteilhaft erweist. Es geht erst zum Wendepunkt in Schwand…alle 2 km gibt es Verpflegung, echt toll, denn ich kann immer nur sehr wenig zu mir nehmen (der Magen). Hauptsächlich drücke ich mir Schwämme auf der Kappe aus, denn langsam wird’s warm. In Schwand bei ca. km 14 erste Wende, riesige Stimmung, auch die Anwohner und das Publikum haben neben den offiziellen Ständen noch für Erfrischung gesorgt, echt toll. Ich fiebere den 21km, also der Hälfte, entgegen. Es läuft immer noch erstaunlich gut, ich lauf 6Minuten +- x /km, kann ich selbst nicht fassen, und das bei einem Puls von 115-120, mehr geht nicht! Zum ersten Mal komm ich auf den Gedanken bei dem Tempo sogar die eigentlich für mich theoretisch nicht erreichbare 12-Stunden-Grenze knacken zu können! Da kommt mir auch Patrick entgegen, nach dem ich schon Ausschau gehalten hab. Wir feuern uns im vorbeilaufen kurz an, tut gut! Aber es wird immer quälender und auf dem Weg zum zweiten Wendepunkt bei ca. km 28 in Eckersmühlen leide ich so richtig (und viele andere bis hin zu den Profis auch, wie man später an den km/Zeiten in der Auswertung sehen kann)…und als wenn Sieś gewusst hätten (haben sie wahrscheinlich) „erscheinen“ kurz vor dem Wendepunkt Marta und Herbert. Ich seh wohl so aus wie ich mich fühle…“Kopf hoch“,…“aufrecht“…“weiter gehts“ kommts von den beiden…hört sich etwas verzweifelt an…boahhh wie muss ich aussehen! Nach dem Wendepunkt dann noch mal ein paar aufmunternde Worte und die letzten guten 12km kommen.
Jetzt lerne ich den „Gegenverkehr“ schätzen. Ich sehe, dass alle sich so quälen müssen wie ich…hört sich vielleicht blöd an, tut aber gut ; )  man ist nicht allein, und eigentlich bin ich immer noch flott unterwegs, obwohl ich schon lange zu Gehpausen an den Verpflegungsstationen übergegangen bin (zum ersten Mal in meinem Leben!) Aber zwischen den Stationen zwinge ich mich durchzulaufen…auch wenn der Kanal zu einem Sprung ins kühle Nass, oder die Wiese zu einem kurzen Päuschen, einlädt. Da kommt auch wieder Patrick…gut für Ihn, dass er (wie ich vorher auch) nicht weiß wie lange es sich zum Wendepunkt zieht…kurzes pushen…weiter geht’s. Bei km 35-36 geht’s wieder weg vom Kanal Richtung Roth…läppische 6-7km…die sich ziehen. Es gibt noch eine kurze aber heftige Rampe aufwärts (die uns zu Beginn abwärts so geholfen hat) und dann noch eine Schleife über den Marktplatz Roth (Was soll ich da, ich will ins Ziel)….ich biege auf den Marktplatz ein und……PARTY….der Platz bebt, Stimmung ohne Ende, ich sehe Sandra, Alina und Frank die mich mit Hefeweizen in der Hand frenetisch feiern, der Ansager ruft meinen Namen, ruft was von Siegburg, von Schalke…blau und weiß…ich bin total euphorisiert, laufe locker um die nächste Ecke….RUHE….noch 2 km…ich kann nicht mehr. „Ab jetzt machts nur noch Spaß“ rufen mir die Zuschauer aufmunternd zu, wenn die wüssten!
Aber ich quäle mich auch noch ca. 1,5km bis zum Ziel in Reichweite…man hört auch hier die Party…der rote Teppich beginnt…und da schon wieder meine 3 Superfans Sandra, Alina und Frank mitten im begeisterten Publikum…die letzten Meter…super Stimmung…. JAAAAAAA …FINISHER!!!
Ich habs in 11:45 (S 1:15, R 5:59, L 4:17 + Wechsel) geschafft, war vorher unvorstellbar …der Marathon (geplant so grob 4:45 bis 5:00 oder mehr) hat mich unter die 12 Stunden katapultiert.
Essen mag ich nichts, völlige Leere, ich leg mich auf ne Bierbank….
Patrick musste leider noch länger leiden als ich, aber auch er hat GEFINISHT…und DAS hatten wir uns als Ziel vorgenommen…ein wirklich tolles, nein GEILES Gefühl es EINMAL geschafft zu haben….tausende von Schweinehunden überwunden…und das zusammen, vorher beim Training und jetzt soweit es ging beim Wettkampf, SUPER…aber NIE WIEDER!!!
Zum Schluss noch ein Wort zu ROTH, man hat wirklich das Gefühl, die Menschen im Landkreis haben es sich an dem Tag zur Pflicht und Aufgabe gemacht es den Teilnehmern so gut wie möglich gehen zu lassen. Soviel Anfeuerung, aber auch gute Worte und tatkräftige Hilfe und Unterstützung von den Helfern hab ich bisher nicht erlebt…und so langsam könnte ich es mir dann doch wieder vorstellen ; )))       Grüße, Stefan

Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 28. Juli 2012 um 12:06 und abgelegt unter 2012, Berichte. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

3 Kommentare über “Bericht Challenge Roth 8.7.2012”

  1. anja schrieb:

    Ich hab auch Gänsehaut****vom Lesen….

  2. Sigrid schrieb:

    Hut ab, wahnsinns Leistung. Durchkommen ist alles.

  3. Judith Ströhmann schrieb:

    Wow!! Ganz toll geschrieben und herzlichen Glückwunsch!! Gänsehaut, wie Anja schon schrieb!!