Triathlon

SV Hellas 1923 (1910) e. V. Siegburg

Bericht und Bild vom Ironman 70.3 Wiesbaden am 10.8.

Dienstag 12. August 2014 von norbert

Ausführlicher Bericht von Andreas W..

Nachdem ich letztes Jahr erstmals über die Volksdistanz in Siegburg und Hennef etwas Triathlon-Luft geschnuppert hatte, wollte ich mich dieses Jahr an längere Distanzen heran wagen.

Mein Freund Christoph war nach der Teilnahme in Siegburg auch ganz heiß und schlug vor, wir könnten doch an einem Ironman 70.3 teilnehmen. Natürlich wollte ich sowas, musste aber anschließend erst einmal heimlich googeln, wofür diese Zahl steht: halber Ironman, 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren, 21 km Laufen. Christoph hatte sich auch schon erkundigt und schlug Wiesbaden vor; es gäbe dort eine schöne Radstrecke und die Laufstrecke würde durch den Kurpark führen…

Bis zur verbindlichen Anmeldung brauchten wir dann aber beide noch ein bisschen Überlegungszeit und meldeten uns Mitte Januar an. Der Wille war also schon da, es fehlte nur noch das Training. Wir waren zu dem Schluss gekommen, dass – über den Daumen gepeilt – trotz unseres eher knapp bemessenen Zeitbudgets für das Training (wie sich ergab im Schnitt 5,5h/Woche) diese Distanz noch so gerade zu bewältigen sein könnte. Die Höhe der Startgebühr überraschte mich zwar, wurde aber unter dem Aspekt „Selbstverpflichtung“ verbucht.

Nachdem die geplante Generalprobe in Bonn zu unserer beider Zufriedenheit lief, erschien die Halbdistanz tatsächlich machbar und ich setzte mich erstmals mit den Strecken in Wiesbaden auseinander, wobei ich mit Erschrecken feststellen musste, dass die Radstrecke mit 1.450 hM doppelt so viele Höhenmeter wie Bonn hatte.

Zudem galt es für uns beide während unserer Sommerurlaube mit Familie, die nur gut eine Woche vor dem Start endeten, die Form zu wahren, was nur halbwegs gelang und nochmals/letztmals Zweifel an unserem Start aufkommen ließen.

In der Woche vor dem Start stellten wir dann – als Anfänger auf der Halbdistanz – fest, dass eine Anreise erst am Sonntag nicht möglich war.

Pflichtbewusst erschienen wir daher Samstagmorgen um 10:00 Uhr zur Wettkampfbesprechung. Wie sich zeigte wurde uns für die doch recht hohe Startgebühr richtig etwas geboten: die Wettkampfbesprechung fand ganz feudal im Wiesbadener Kurhaus unter Marmorsäulen, Holzvertäfelungen und Kronleuchtern statt. Überrascht ließen wir uns erläutern, dass es auf der Strecke Penalty-Boxen gab, in denen man seine Zeitstrafen (bspw. für Windschattenfahren) direkt absitzen durfte.

Die Beutel für die Wechselzonen konnten wir anschließend packen und abgeben und den Fahrrad-Check-in abschließen.

Der Check-in am Samstag hatte auch sein Gutes: nachdem ich mich in Buschhütten am Beckenrand so gerade noch Entkleiden und ins Wasser springen konnte, in Bonn rennend eben noch den letzten Bus zum Start erwischte und es in Hennef auch nur knapp zum Schwimm-Start geschafft hatte, erschienen wir diesmal zum Schwimmstart ohne Hektik.

Ich konnte mir noch den ersten Wechsel der Profis ansehen, wobei dort auch nicht alles profimäßig läuft, wie ich feststellen durfte: ein Profi hatte seine Startnummer mitsamt Wechselbeutel in den Beutel-Container geworfen, so dass ich ihm behilflich sein durfte, den Beutel mit Startnummer wieder heraus zu fischen.

Die Wetterprognose hatte sich zum Glück zwischenzeitlich gebessert, so dass es zumindest auf der Radstrecke trocken bleiben sollte. Dafür waren wir dankbar, da es auf den steilen Abfahrten bei Regen an mehreren Stellen sehr rutschig sein sollte.

Der Schwimmstart verlief eher unspektakulär. Ich hatte mich im letzten Drittel eingereiht, da ich nicht der schnellste Schwimmer bin und es ruhig angehen lassen wollte. Nachdem ich den Zick-Zack-Kurs um ein paar Zacken erweitert hatte, stieg ich mit 37 Minuten aus dem Wasser und fühlte mich noch sehr gut.

Beim Radwechsel schnell den Beutel gegriffen, hingesetzt, ausgekippt und gerätselt, warum sich darin Mountainbike-Schuhe befanden: ich hatte mich leider mit der Beutel-Nummer vertan. Ein Mitstreiter stand schon in der Wechselzone und suchte ihn. Also kurz entschuldigt, richtigen Beutel gegriffen und ab aufs Rad.

Das erste Drittel der Strecke hatte zwar noch nicht viele Höhenmeter, aber mit dem Wissen um die noch kommenden Steigungen (und vor allem dem Halbmarathon, der mir am schwersten im Magen lag) ließ ich es erst mal ruhig angehen. Neben einem giftigen kurzen Anstieg, bei dem im Wiegetritt das Hinterrad begann durchzudrehen, gab es keine längeren schweren Anstiege. Ein solcher wartete erst ab Kilometer 37 mit 400 hM am Stück. Aber auch diese Anfahrt hoch auf die „Platte“ war nicht allzu steil und besser zu bewältigen, als wir befürchtet hatten. Der Streckenverlauf war anschließend hügelig mit rasanter Abfahrt nach Wiesbaden am Schluss. Die Strecke hielt auch ohne Regen ein paar Gefahrstellen bereit, wie durch die zahlreichen Teilnehmer mit Schürfwunden und zerrissenen Hosen belegt wurde. Auch Christoph musste sich mit zwei blockierenden Reifen am Ende einer Kurve ins Heu/einen Strohballen legen, zum Glück ohne dass er sich verletzte.

3 Stunden 8 Minuten bzw. ein Schnitt von 28,6 km/h standen nach dem Rad-Split auf der Uhr, womit ich sehr zufrieden war, zumal ich mir noch ein paar Körner für die Laufstrecke aufbewahren konnte/musste.

Wie auch sonst lief ich im Wettkampf ohne Uhr und horchte „in meine Beine“, die mir sagten, dass das Finish heute möglich ist- wenn auch nur mit mäßigem Tempo. Vor der Laufstrecke hatte ich einen ziemlichen Respekt, da ich die 21 KM erst einmal zuvor in meinem Leben gelaufen war (nämlich letzten Sonntag).

Außer einer Muskelverhärtung ab ca. KM 15 gab es bei moderatem Tempo keine größeren Probleme, am Schluss fing es nur an zu regnen, was mir aber egal war. Nach 5 Stunden und 52 Minuten (1:56 h für die 21 km) überquerte ich dann „geschmeidig wie eine Oma“ (O-Ton Christoph) die Ziellinie. Mit der Zeit war ich sehr zufrieden, wobei die Laufzeit noch ausbaufähig ist.

Christoph schaffte die Strecke in der Super-Zeit von 5:25 h und war natürlich auch höchst zufrieden.

Die Veranstaltung war absolut top organisiert, wobei ich allerdings die Stimmung in Bonn am Schwimmstart, auf der Rad- und Laufstrecke noch besser fand (was vielleicht auch am Wetter lag).

Nach Erreichung unseres Saisonziels haben sich unsere Überlegungen zu Jahresbeginn bewahrheitet, nämlich dass ein 70.3 für uns gerade noch machbar, die volle Ironman-Distanz aber weder kurz- noch mittelfristig in Reichweite ist.

Wiesbaden 2014

Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 12. August 2014 um 20:33 und abgelegt unter 2014, Berichte. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

Ein Kommentar über “Bericht und Bild vom Ironman 70.3 Wiesbaden am 10.8.”

  1. Michael Wank schrieb:

    Schöner und ausführlicher Bericht über diese Veranstaltung! Gratulation für deine Leistung, berücksichtigt man vor allem deine zeitlich limitierte Vorbereitung. Ich kann deiner Ansicht absolut zustimmen, dass die Halbdistanz mit diesem Trainingsaufwand machbar, aber eine Langdistanz utopisch ist. Man muss aber auch nicht immer nach den Sternen greifen :-)
    Gute Erholung und bis zum nächsten Wettkampf!
    Michael